Mit Fluppe aufm Motorrad

Gerichtsverhandlungen an sich sind eine ernste Angelegenheit. Für Außenstehende nehmen die Ausführungen vor dem Antlitz Justitias bisweilen aber durchaus als komödiantische Züge an. Der Drei-Akter, der sich vor dem Gericht in Anklam abspielte, hätte zum Beispiel den Titel „Mit Fluppe aufm Motorrad“ verdient. In der Hauptrolle: Ein 28-Jähriger, den die Polizei ohne Führerschein, ohne Helm und ohne gültige Kfz-Versicherung auf seinem Motorrad erwischte. In den Nebenrollen: zwei Polizisten, ein Zeuge und die Richterin.

Die beiden Beamten hatten den jungen Mann auf der Landstraße zwischen Groß Polzin und Quilow gesehen. „Er kam uns entgegen, hatte keinen Helm auf und eine Zigarette im Mund“, beschrieb einer der Polizisten die Situation. Zu allem Unglück für den Angeklagten war er den Beamten bekannt. Schließlich hatte einer der beiden ihm im November 2010 den Führerschein eigenhändig wegen Trunkenheit am Steuer abgenommen. So kam es, wie es kommen musste. Die Polizei verfolgte den Motorradfahrer bis zu einem Hof und traf ihn dort im Schuppen an. Der Motor der Maschine war noch warm. Dennoch leugnete der 28-Jährige, sich auf den Bock gesetzt zu haben und gefahren zu sein. Er habe lediglich an der Maschine geschraubt. Ein Zeuge sagte später aus, das Motorrad habe „gepatscht“ und laufe gar nicht richtig.

Pech nur, dass beide Beamten den Fahrer eindeutig identifizieren konnten und die Richterin der Aussage des Bekannten nur bedingt Glauben schenkte. Vermutlich habe der 28-Jährige nur eine Testfahrt machen wollen und gehofft, nicht erwischt zu werden, erklärte sie. Die Einlassung des Angeklagten, „Wie soll ich denn bei Tempo 80 auf dem Motorrad eine Zigarette geraucht haben? Das geht doch gar nicht“, nützte auch nichts. Da es das dritte Mal innerhalb von vier Monaten war, dass der Mann „gepackt“ wurde, fiel das Urteil entsprechend härter aus. Weil er ohne Helm, ohne Führerschein und ohne Kfz-Versicherung unterwegs war, verhängte die Richterin eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten. Zusätzlich muss der Motorradfahrer 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und weitere 18 Monate auf den Lappen verzichten.

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