Abschleppkosten: Wie handeln in der Not…?

„Jemanden ‚abschleppen…‘“ war vor Jahrzehnten in der Disco eigentlich ohne weitere Kosten verbunden. – Wie aber, wenn ein Geschädigter in einer unfallbedingten Not- und Eil-Situation ist? – Ist er dann auch verpflichtet, nach einem möglichst preisgünstigen Abschlepp-Unternehmen zu fahnden? Nein, so das Amtsgericht Deggendorf im Juni 2018 (3 C 259/17).

Der spätere Kläger war mit seinem Pkw in einen Unfall verwickelt worden, wobei sich die Beteiligten einig darüber waren, dass den Unfallgegner die Schuld im vollen Umfang traf und er somit zum Schadenersatz verpflichtet war. Sein Versicherer ersetzte also dem Geschädigten die Reparaturkosten sowie den von ihm geltend gemachten Schaden wegen des unfallbedingten Nutzungs-Ausfalls. Doch blieb man uneins über die beanspruchten Abschleppkosten, die der Versicherer um mehr als 240 Euro kürzen wollte. Auch war der Versicherer nicht bereit, die vom Kläger geltend gemachten Kosten für einen „Reparatur-Ablaufplan“ zu erstatten. Grund genug, den Fall vor dem Deggendorfer Amtsgericht auszutragen, den Versicherer verlor.

Das Argument des Versicherers, Abschleppkosten waren deutlich geringer ausgefallen wären, wenn der Kläger mit dem Abschleppvorgang ein anderes Unternehmen beauftragt hätte, zog vor Gericht nicht. Sei doch ein Geschädigter bei einem Unfall schon wegen der „Not- und Eilsituation“ nicht dazu verpflichtet, einen möglichst preisgünstigen Abschleppunternehmer zu bestimmen. Somit stehe der kompletten Ersatzpflicht des Versicherers nicht entgegen, dass der Kläger sein Fahrzeug zu seiner Heimat-Werkstatt habe abschleppen lassen: „….nach einem Unfall ein Fahrzeug in vertretbarer Nähe zum Wohnort eines Geschädigten (hier circa 70 Kilometer, also deutlich unter 100 Kilometer) abschleppen zu lassen, ist nicht zu beanstanden“, so das Urteil.

Auch der Widerspruch zum Reparatur-Ablaufplan zog nicht. Denn mittels eines solchen sollte „die Erforderlichkeit der Reparaturdauer“ und somit die Dauer und Höhe des zu erstattenden Nutzungs-Ausfalls geprüft werden. Da der Versicherer die Vorlage des Plans vom Kläger verlangt hatte, hielt es das Gericht für angemessen, dass dieser eben deshalb auch die dafür berechneten Kosten in Höhe von etwas mehr als 80 Euro zu übernehmen habe. Eine Begründung zur Berufung sah das Gericht nicht.

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