Fiktive Abrechnung – aber in welcher „günstigen“ Werkstatt?

Wenn die Reparatur als „unstreitig gleichwertig“ gilt!

Unfallfolgen machen kaum Spaß. So auch nicht in einem Fall vor dem LG Freiburg im Mai 2017. Dabei war die beklagte Versicherung der Auffassung, dass der Kläger sein beschädigtes Auto in einer günstigeren und qualitativ gleichwertigen Vertragswerkstatt reparieren lassen müsse (AZ: 9 S 6/17).

Für das Urteil galten schließlich die vom Bundesgerichtshof (BGH) aufgestellten Grundsätzen, dass der Schädiger den Geschädigten bei dessen Schadenminderungspflicht auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer mühelos und ohne weiteres erreichbaren Fachwerkstatt verweisen kann. Auch deshalb, weil die Qualität der Reparatur dort der einer markengebundenen Werkstatt entspreche und die Umstände dabei als zumutbar gelten.

Gutachterkosten – doch der Versicherer blockt ab!

Ein Unfall passt nie ins Programm. Ist der Fahrzeugschaden dann auch noch voraussichtlich höher als 1.000 Euro, darf der Geschädigte einen Gutachter auf Kosten des Schädigers auch dann noch beauftragen, wenn dessen Versicherer erklärt hat, für den Schaden aufzukommen. So ein Urteil des Landgerichts Stuttgart im Februar 2018 (5 S 240/17).

Eine Kraftfahrerin wurde nach einem Auffahrunfall unverschuldet zur Geschädigten, worauf man ihrem Ehemann durch den Sachbearbeiter des Kfz-Haftpflichtversicherers des Schädigers erklärte, dass man die Reparaturkosten übernehmen werde. Und dies, obwohl die Höhe des Schadens noch nicht exakt bestimmt worden war…

Unfallschaden und Weiternutzung bis zur Klage

Wer sein Auto als „verunfallten Neuwagen“ weiter nutzt bis der Neupreisersatz gesichert ist, den die gegnerische Versicherung zu leisten hat, der handelt rechtens und gefährdet seinen Anspruch nicht. So ein Urteil des OLG Stuttgart. Und für die Nutzungsdauer bis zum Ersatz des Neupreises ist nach dieser Entscheidung vom Dezember 2017 muss sich der Geschädigte auch keine Nutzungsentschädigung anrechnen lassen (AZ: 2 U 136/17).

Im benannten Fall hatte der Kläger im Mai 2015 einen neuen VW Golf gekauft. Bei nur 845 km Laufleistung kam es zehn Tage später zu einem unverschuldeten Verkehrsunfall. Über seinen Anwalt forderte der Kläger, ihn mit einem äquivalenten Neufahrzeug auszustatten, verbunden mit dem Hinweis, dass ihm aktuell selbst die Mittel fehlten, einen gleichwertigen Ersatz zu kaufen.

Diebstahl von Wertsachen aus dem Auto heraus – was ist zu tun?

Es ist kein schöner Anblick, wenn man an das eigene geparkte Auto zurückkehrt und dabei feststellen muss, dass Kriminelle eine Scheibe eingeschlagen haben. Schließlich muss die Scheibe ersetzt werden, was Kosten verursacht. Hinzu kommt oftmals ein zusätzlicher finanzieller Schaden, schließlich wurde das Autoglas nicht grundlos eingeschlagen. Fast immer haben es die Diebe auf Wertsachen abgesehen, teilweise stehlen sie auch schlichtweg Autoradios.

Im Schadensfall kommt meist relativ schnell die Frage auf, von wem die Kosten zu tragen sind bzw. ob es die Möglichkeit gibt, den Schaden über die Kfz-Versicherung zu regulieren. Diesbezüglich ist zunächst anzumerken, dass der Versicherungsschutz eine große Rolle spielt. Wer über einen Kaskoschutz bverfügt, kann zumindest einen Teil des Schadens regulieren, nämlich das beschädigte Autoglas. Wer lediglich über eine Kfz-Haftpflichtversicherung verfügt, hat sämtliche Kosten selbst zu tragen.

Kann man eine KFZ Versicherung per Email kündigen?

Es ist heutzutage einfach, eine KFZ Versicherung online abzuschließen. Insbesondere begünstigt durch Internet-Preisvergleiche wie Check24 und Verivox, die einem direkt nach dem Tarifvergleich auch noch die Möglichkeit zum Vertragsabschluss anbieten. Eine Online Kündigung ist hingegen oft umständlicher zu praktizieren. Ein positives Beispiel stellt die HUK24 dar. Hier kann der Kunde seine Kündigung über den geschützten Service-Bereich, per Fax oder per Email mit eingescanntem Schreiben im E-Mail-Anhang an die Versicherung übermitteln. Daneben gibt es natürlich auch noch die klassische Zustellung der Kündigung per Post. Doch Obacht, wenn Sie nur ein Deut von diesen Wegen der Datenübermittlung abweichen, kann die Kündigung schon null und nichtig sein.

HWS-Syndrom nach Unfall – Vom Schleudertrauma und seinen Folgen

rbw. Der Blechschaden hielt sich in Grenzen, doch die körperlichen Beschwerden waren über Wochen und Monate spürbar. – Auch bei einer Frontalkollision mit geringer Geschwindigkeit ist ein Schleudertrauma nicht auszuschließen. Das hat der Bundesgerichtshofes in Karlsruhe in einem Urteil entschieden.

Nach Ansicht der Bundesrichter gibt es trotz eines eher kleineren und vom Sachschaden eher harmloseren Unfalls nicht auch ein „Harmlosigkeitsgrenze“ für den möglichen Personenschaden (VI ZR 274/07). In anhängigen Verfahren müssten Richter aber stets neu und von Fall zu Fall entscheiden, ob der Unfall eine Verletzung der Halswirbelsäule HWS ausgelöst haben könnte.

Mit Fluppe aufm Motorrad

Gerichtsverhandlungen an sich sind eine ernste Angelegenheit. Für Außenstehende nehmen die Ausführungen vor dem Antlitz Justitias bisweilen aber durchaus als komödiantische Züge an. Der Drei-Akter, der sich vor dem Gericht in Anklam abspielte, hätte zum Beispiel den Titel „Mit Fluppe aufm Motorrad“ verdient. In der Hauptrolle: Ein 28-Jähriger, den die Polizei ohne Führerschein, ohne Helm und ohne gültige Kfz-Versicherung auf seinem Motorrad erwischte. In den Nebenrollen: zwei Polizisten, ein Zeuge und die Richterin.