Hohe Defizite bei der Schadenregulierung

Ein Brandschaden und zwei Versicherer – das kann dauern, wie ein Metzgermeister seit fünf Monaten im badischen Villingen bei vermutetem Einbruch mit Brandstiftung feststellen muss…

Drum liegt ganz nahe, dass Versicherungsmakler und Mehrfachvertreter auf  hohe Fachkompetenz und gute Erreichbarkeit der Ansprechpartner bei den Versicherungs-Unternehmen hoffen. Denn als größte Defizite gelten die Regulierungsdauer und die Erreichbarkeit der Ansprechpartner.

Ergebnis einer aktuelle Auflage der quartalsweise von der Betriebsberatung GmbH und dem Institut für Versicherungsvertrieb Beratungsgesellschaft mbH erhobenen Studie Asscompact Trends.

Schritt für Schritt: die Kfz-Versicherung wechseln

Jetzt aber hurtig. Mit dem 30. November endet das Zeitfenster, um die Kfz-Versicherung auf dem regulären Weg zu wechseln. Danach bleibt nur das Sonderkündigungsrecht, falls die bisherige Autoversicherung teurer geworden ist, man einen Schaden meldet oder aber ein neues Auto kauft.  Für alle, die noch auf dem letzten Drücker Geld sparen wollen: Hier die Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Kfz-Versicherungswechsel.

Die Unterlagen

Der wichtigste Baustein für den Wechsel des Anbieters ist ein Kfz-Versicherungsvergleich. Ohne sich vorher schlau zu machen, wie teuer die Police bei anderen Assekuranzen ist und welche Leistungen enthalten sind, stochert man im Nebel. Für einen solchen Vergleich benötigt man die aktuelle Rechnung, die Führerscheine aller, die das Auto nutzen, und die Fahrzeugpapiere. Denn beim Autoversicherungsvergleich wird unter anderem nach der Hersteller- und der Typschlüsselnummer,  dem Zulassungsdatum, der bislang erreichten Schadenfreiheitsklasse (geht aus der Rechnung hervor) und dem Datum des Führerscheinerwerbs gefragt.

Mit diesen und vielen weiteren Daten, etwa zur Fahrleistung und den gewünschten Leistungsmerkmalen, füttert man den Kfz-Versicherungsvergleich. Dann zeigt sich, ob die bestehende Police teuer oder günstig ist. Entscheidet man sich angesichts der Offerten für einen Wechsel, sollten neben dem Preis auch die Leistung und der Service berücksichtigt werden. Dann ist man auf der sicheren Seite. Dazu bietet es sich an, bei Freunden und Bekannten zu fragen, ob sie bereits Erfahrungen mit der gewünschten Versicherung haben.

Schriftlich kündigen

Die Kündigung des bestehenden Vertrages muss dann schriftlich erfolgen – immer mit Nennung der Vertragsnummer und des Kennzeichens. Ob dies auch per Fax oder E-Mail erlaubt ist, hängt vom Unternehmen ab. Teils ist es auch möglich, die Kündigung in einer Niederlassung der Versicherung abzugeben. In dem Fall sollte man sich den Empfang schriftlich bestätigen lassen.

Denn bei der Kündigung der Kfz-Versicherung kommt es nicht darauf an, wann man den Brief in den Kasten steckt oder zur Post bringt. Maßgeblich ist das Eingangsdatum. Das heißt, die Kündigung muss am 30. November bei der Versicherung auf dem Tisch liegen, damit sie wirksam ist. Das funktioniert nur, wenn das Schreiben allerspätestens am 29. November aufgegeben wird – bestenfalls per Einschreiben mit Rückschein. Noch besser wäre es, schon am 27. oder 28. November aktiv zu werden. Denn auch die Post braucht ihre Zeit.

Unfallfolge: Geschädigt aber „ohne Kohle“

Ist der Geschädigte zur Finanzierung  eines Mietwagens verpflichtet?

Totalschaden: Kosten für An- und Abmeldung sind zu erstatten!

Es muss schon gehörig gerumpelt haben, wenn es zu einem Totalschaden kommt. Wer dabei heil rauskam, sollte nicht vergessen, An- und Abmeldekosten sowie Standgeld beim Unfallverursacher bzw. dessen Versicherung geltend zu machen.

Weil nun Versicherer oft genug gezielt und systematisch kürzen, sollte auf diese Positionen nicht verzichtet werden. Dazu gab es ein Urteil vor dem AG Helmstedt im August 2017 (AZ: 3 C 258/16 3 a).

Zugrunde lag ein Verkehrsunfall m Januar 2016, bei dem das Fahrzeug der Klägerin zum Totalschaden wurde. Doch die beklagte Kfz-Haftpflichtversicherung nahm Abzüge vor.

Günstigere Werkstatt  – dann halt nochmal!!!

Wer geschädigt wird, der hat meist Ärger. Vor allem auch dann, wenn man ihn wegen der Reparatur auf „günstigere Stunden-Verrechnungs-Sätze“ verweist.  Doch dies ist nur dann zulässig, wenn das Fahrzeug älter als drei Jahre ist oder es nicht ständig in marken-gebundenen Werkstätten gewartet und repariert wurde. So jedenfalls ein Urteil des AG) München im April 2017, AZ: 344 C 17142/16).

Im benannten Fall stritten die Parteien um den Restbetrag bei Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall. Der Kläger rechnete auf Gutachtenbasis ab von 2.607,45 Euro. Den Betrag regulierte die beklagte Haftpflicht jedoch nur teilweise. War man doch der Meinung, dass sie den Kläger auf eine günstigere Referenz-Werkstatt verweisen könne.  Auch sei bei fiktiver Abrechnung die Bei-Lackierung nicht zu erstatten…

Privater Crash auf  der Rennstrecke

Im Schwäbischen kennen alle Buben den Rennfahrer „Bibbele“; einer, der gern rasant fährt und sei es mit dem Tretroller. Wie aber, wenn einer meint, er müsste diese Rolle mit seinem privaten Sportwagen auf dem Nürburgring einnehmen…?

 

Steht in der Vollkaskoversicherung eine Klausel, nach der ein Versicherungsschutz bei privaten Fahrten auf Rennstrecken – hier der Nürburgring – ausgeschlossen ist, darf man sich nicht  überrascht zeigen, wenn nach einem Crash die Versicherung nicht leistet. So das Urteil des ersten Zivilsenats des LG Traunstein im Juli 2017 (1 O 4450/16).

Unfall: Ersatzwagen oder doch Taxi ?

Zunächst mal geht’s darum, ob man ein Auto „ausleiht“ und man es dem Nachbarn wieder zurückstellt oder ob man es tatsächlich bei einem Unternehmen der Branche „mietet“. Doch der Reihe nach.

Wer also als Geschädigter mit einem „Mietwagen“ durchschnittlich weniger als 20 Kilometer pro Tag zurück, dem stünde in der Regel nur eine Nutzungsausfall-Entschädigung zu. So jedenfalls das Urteil des OLG Hamm aus dem Januar 2018 (7 U 46/17).

 Geklagt hatte 76-Jähriger, der bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall geschädigt worden war. Bis er seine Auto wieder aus der Werkstatt bekam, nahm er sich einen Mietwagen, mit dem er während elf Tagen jedoch nur 239 Kilometer gefahren war.

Gutachterkosten – doch der Versicherer blockt ab!

Ein Unfall passt nie ins Programm.  Ist der Fahrzeugschaden dann auch noch voraussichtlich höher als 1.000 Euro, darf der Geschädigte einen Gutachter auf Kosten des Schädigers auch dann noch beauftragen, wenn dessen Versicherer erklärt hat, für den Schaden aufzukommen. So ein Urteil des Landgerichts Stuttgart im Februar 2018 (5 S 240/17).

 

Eine Kraftfahrerin wurde nach einem Auffahrunfall unverschuldet zur Geschädigten, worauf man ihrem Ehemann durch den Sachbearbeiter des Kfz-Haftpflichtversicherers des Schädigers erklärte, dass man die Reparaturkosten übernehmen werde. Und dies, obwohl die Höhe des Schadens noch nicht exakt bestimmt worden war…

Kraftfahrt-Versicherung: Gewinn ist, was übrig bleibt…

Die Jahre 2014 bis 2016 sorgten für Gewinner und Verlierer

Woran immer es liegen mag, wohl an den Zulassungszahlen und am bisherigen Krfatfahrzeug-Bestand: in den Jahren 2014 und 2016 konnten die Axa und die Huk-Coburg Allgemeine ihren Marktanteil in der Kfz-Versicherung am deutlichsten erhöhen. Das meldet der „Branchenmonitor 2014-2016: Kraftfahrtversicherung“. Verlierer seien dagegen die Allianz, der HDI und die Generali.

Insgesamt seien die Kraftfahrzeug-Versicherer 2016 nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in drei Folgejahren in der Gewinnzone gelandet.

Und nicht nur der Metzger weiß ja: Gewinn ist, was übrig bleibt

Unfallschaden und Weiternutzung bis zur Klage

Wer sein Auto als „verunfallten Neuwagen“ weiter nutzt bis der Neupreisersatz gesichert ist, den die gegnerische Versicherung zu leisten hat, der handelt rechtens und gefährdet seinen Anspruch nicht. So ein Urteil des OLG Stuttgart. Und für die Nutzungsdauer bis zum Ersatz des Neupreises ist nach dieser Entscheidung vom Dezember 2017 muss sich der Geschädigte auch keine Nutzungsentschädigung anrechnen lassen (AZ: 2 U 136/17).

Im benannten Fall hatte der Kläger im Mai 2015 einen neuen VW Golf gekauft. Bei nur 845 km Laufleistung kam es zehn Tage später zu einem unverschuldeten Verkehrsunfall. Über seinen Anwalt forderte der Kläger, ihn mit einem äquivalenten Neufahrzeug auszustatten, verbunden mit dem Hinweis, dass ihm aktuell selbst die Mittel fehlten, einen gleichwertigen Ersatz zu kaufen.