Eigenes Gutachten des Geschädigten ist rechtens

Restwert ist auf dem regionalen Markt zu ermitteln

Drei Juristen – vier Meinungen; zwei Gutachten mindestens zwei Meinungen.  Wer den Schaden hat, braucht ganz sicher keinen Spott, sondern eher ein eigenes Gutachten.

Und so muss sich ein Geschädigter nicht auf das Gutachten der gegnerischen Versicherung verlassen. Darf er doch ein eigenes Gutachten veranlassen, wobei Restwertangebote auf dem regionalen Markt zu ermitteln sind.

Hat die gegnerische Versicherung Restwert-Angebote vorgelegt, ist zu beachten, dass diese nur befristet gelten. Ist also die Frist abgelaufen, ein verbindliches Restwertangebot anzunehmen, ist der Restwert neu zu ermitteln. So jedenfalls das Amtsgerichts  Düsseldorf bereits im Juni 2017 (AZ: 40 C 35/17).

Im strittigen Fall ging es um restlichen Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall, wobei die volle Haftung der Beklagten nicht mehr streitgegenständlich war.

Der Kläger erbat nach dem Verkehrsunfall einen Kostenvoranschlag seiner Werkstatt, woraus sich ein Aufwand von 4.409 Euro ergab.

Der Schadengutachter der beklagten Haftpflichtversicherung kam jedoch nur auf Reparaturkosten von brutto 2.806 Euro, einen Wiederbeschaffungswert auf 3.200 Euro und auf einen Restwert von 890 Euro. Ein Restwert, den ein Händler aus Süddeutschland angeboten hatte.

Daraufhin holte der Kläger ein eigenes Schadengutachten ein, das den Wiederbeschaffungswert ebenfalls mit 3.200 Euro, die Reparaturkosten mit  2.980 Euro und den Restwert mit 550 Euro bezifferte.

Der Gutachter berechnete 599 Euro, womit sich die Differenz aus den eingeholten Gutachten sowie die Gutachter- und außergerichtlichen Rechtsanwaltskosten als Klageforderung darstellte.

Nach Ansicht des AG Düsseldorf hatte folglich der Kläger Anspruch auf weiteren Schadenersatz über  939 Euro, war er doch berechtigt, ein eigenes Gutachten einzuholen. Die aufgewendeten Gutachterkosten sind mithin zu erstatten.

Das Gericht führt hierzu aus:

„Nach ständiger Rechtsprechung darf der Geschädigte selbst dann ein eigenes Gutachten einholen, wenn durch die gegnerische Versicherung bereits ein Gutachten veranlasst wurde, denn er muss sich nicht auf eine Schadensberechnung des Gegners verlassen.“

Hinzu kam, dass der Restwert von 550 Euro auf dem regionalen Markt korrekt ermittelt wurde, weil die von der Beklagten übermittelten Restwertangebote zu dem Zeitpunkt bereits abgelaufen waren, als der Kläger berechtigterweise ein eigenes Gutachten einholte.

Somit blieben diese nicht berücksichtigt…

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