Gutachterkosten – doch der Versicherer blockt ab!

Ein Unfall passt nie ins Programm. Ist der Fahrzeugschaden dann auch noch voraussichtlich höher als 1.000 Euro, darf der Geschädigte einen Gutachter auf Kosten des Schädigers auch dann noch beauftragen, wenn dessen Versicherer erklärt hat, für den Schaden aufzukommen. So ein Urteil des Landgerichts Stuttgart im Februar 2018 (5 S 240/17).

 

Eine Kraftfahrerin wurde nach einem Auffahrunfall unverschuldet zur Geschädigten, worauf man ihrem Ehemann durch den Sachbearbeiter des Kfz-Haftpflichtversicherers des Schädigers erklärte, dass man die Reparaturkosten übernehmen werde. Und dies, obwohl die Höhe des Schadens noch nicht exakt bestimmt worden war…

In der Werkstatt der Geschädigten riet man jedoch dazu, zuvor einen Kfz-Sachverständigen zu beauftragen. In den Augen des Versicherer galt dies wegen dessen Zusage jedoch als überflüssig, was deshalb gegen die Schadenminderungs-Pflicht gemäß § 254 Absatz 2 BGB verstoße. Grund genug, die Kosten für den Gutachter abzulehnen.

Dies sei jedoch nicht rechtens, so das Stuttgarter Landgericht, das der Klage auf Zahlung der Sachverständigen-Gebühren statt gab.

Maßgeblich, so das Gericht, sei, ob es zweckmäßig und erforderlich ist, ein beschädigtes Fahrzeug zu begutachten. Dies allein sei zunächst aus der Sicht des Geschädigten zum Zeitpunkt des Auftrags zu sehen. Nach herrschender Rechtsauffassung sei dabei allerdings eine Bagatell-Grenze von derzeit 1.000 Euro zu berücksichtigen.

Im benannten Fall hatte der Sachverständige die zu erwartenden Reparaturkosten dann doch mit knapp 1.700 Euro kalkuliert, womit die Bagatell-Grenze überschritten wurde.

Die telefonische Zusicherung durch den Sachbearbeiter des generischen Versicherers habe jedoch keine Gewissheit darüber verschafft, „in welcher Höhe der Versicherer nach der Reparatur die Kosten als unfallbedingte Reparaturkosten anerkennen und übernehmen werde“.

Deshalb gelte: „Ein verständig denkender Geschädigter, der weiß, dass die generische Versicherung die Haftung dem Grunde nach übernimmt, wird es für geboten halten, vor Durchführung der Reparatur ein Gutachten über den Umfang der Schäden einzuholen, um eine spätere Auseinandersetzung über die Frage, ob ein reparierter Schaden unfallbedingt war oder nicht, zu vermeiden“.

Gerade bei Auffahrunfällen sei es einem unfall-geschädigten Laien kaum möglich zu beurteilen, ob an seinem Fahrzeug neben sichtbaren noch weitere Schäden eingetreten seien.

Folglich sei dies ein weiterer Grund, einen Sachverständigen zu beauftragen. Deswegen sei der Versicherer dazu verpflichtet, die Kosten für das Gutachten zu übernehmen.

Rechtsmittel gegen dieses Urteil ließ das Gericht nicht zu

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