Privater Crash auf der Rennstrecke

Im Schwäbischen kennen alle Buben den Rennfahrer „Bibbele“; einer, der gern rasant fährt und sei es mit dem Tretroller. Wie aber, wenn einer meint, er müsste diese Rolle mit seinem privaten Sportwagen auf dem Nürburgring einnehmen…?

 

Steht in der Vollkaskoversicherung eine Klausel, nach der ein Versicherungsschutz bei privaten Fahrten auf Rennstrecken – hier der Nürburgring – ausgeschlossen ist, darf man sich nicht überrascht zeigen, wenn nach einem Crash die Versicherung nicht leistet. So das Urteil des ersten Zivilsenats des LG Traunstein im Juli 2017 (1 O 4450/16).

 

Der Kläger hatte mit seinem Sportwagen Ende Juli 2016 an einer Veranstaltung des Deutschen Sportfahrerkreises auf dem Nürburgring teilgenommen. Und wie es halt so kommt, auf leicht feuchter Fahrbahn brach das Fahrzeugs aus und fuhr gegen die Leitplanke. Der Schaden knapp 35.000 Euro.

Den nun wollte der Kläger abzüglich seiner SB von seinem Vollkaskoversicherer. Doch der lehnte ab und verwies auf die Versicherungs-Bedingungen.

Darin hieß es:

„Kein Versicherungsschutz besteht … für Schäden, die unter Beteiligung an Fahrveranstaltungen entstehen, bei denen es auf Erzielung einer Höchstgeschwindigkeit ankommt. Dies gilt auch für dazugehörige Übungsfahrten“.

Im Rechtsverfahren trug der Kläger „Bibbele“ vor, dass er damit unangemessen benachteiligt würde, weil nicht danach differenziert werde, ob es sich um Rennen oder sonstige Fahrten auf den ausgeschlossenen Strecken handele.

Seine Intention sei gewesen, die Fahrsicherheit für den Straßenverkehr zu verbessern, weshalb die Voll-Kasko leisten müsse. Doch das LG in Traunsteiner Landgericht konnte sich diesem Argument nicht anschließen: Klage abgewiesen.

Man stellte zwar nicht in Abrede, dass es bei einem Fahrsicherheits-Training nicht um hohe und höchste Geschwindigkeiten gegangen sei, worauf es jedoch auch nicht ankomme.

Denn eine hierzu geltende Ausschlussklausel sei weder überraschend im Sinne von § 305 c Absatz 1 BGB, noch benachteilige sie den Kläger unangemessen im Sinne von § 307 Absatz 1 Satz 2 BGB.

Für einen durchschnittlichen Versicherungsnehmer sei schon durch „Kein Versicherungsschutz […]“ klar erkennbar, dass die nachfolgend genannten Risiken vom Leistungsumfang des Vertrages ausgeschlossen seien.

Die Klausel sei zudem klar und deutlich, weil sie sämtliche Fahrten auf den genannten Strecken ausschließe. Der Versicherungsnehmer müsse sich daher bei einer Fahrt auf einer derartigen Strecke klar sein, dass er keinen Versicherungsschutz genießt.

Aus dem Urteil:

„Angesichts der erhöhten Gefahr bei Fahrten auf einer Rennstrecke auch außerhalb eines Rennens ist anhand einer Abwägung der Interessen des Versicherers und der gesamten Versicherten-Gemeinschaft mit denen des Versicherten eine entsprechende Ausschlussklausel durchaus nachvollziehbar.

Es benachteilige ….daher nicht unangemessen, wenn bei der Teilnahme an derartigen Veranstaltungen das Risiko eines Schadens selbst zu tragen sei. Schließlich habe die Möglichkeit bestanden, für eine Fahrt auf solchen Strecken eine gesonderte Versicherung abzuschließen. Davon habe der Kläger jedoch keinen Gebrauch gemacht.“

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