Reise-Rücktritt und Stornierung wegen Durchfall

Die Destination gewählt, der Aufenthalt bei eigener Anreise zum Flughafen gebucht. Doch was tun, wenn die Verdauung nicht mitmacht.

Das geschah einem Versicherter, weshalb er sich entschloss, seine Anfahrt als  gebuchte Reise wegen akuten Durchfalls nicht anzutreten. Doch ist dann auch seine Reise-Rücktrittskosten-Versichernd zur Leistung verpflichtet? Ein Fall für das Oberlandesgericht Celle, das im Dezember 2018 dazu urteilte (8 U 165/18).

Den Kläger plagte kurz vor Antritt seiner Flugreise eine heftiger Durchfall, weshalb er sich entschloss, die Reise nicht anzutreten und zu stornieren.

Sein Hausarzt hatte die Diagnose bestätigt, doch sein Reiserücktritts-Kosten-Versicherer weigerte sich, die Stornokosten zu übernehmen: ein solcher Durchfall sei keine schwere Erkrankung im Sinne der Versicherungs-Bedingungen. Eine Einigung blieb aus, weshalb es zum strittigen Fall vor dem OLG Celle kam. Der Versicherer unterlag im Rechtsstreit.

Die Juristen sahen den Fall so, dass in Fällen wie denen des Klägers nicht auf die konkrete ärztliche Diagnose ankomme, weil vielmehr das Vorliegen einer krankheits-bedingten Symptomatik entscheidend sei, die insbesondere den Antritt einer Flugreise unzumutbar erscheinen lasse.

Trotz indizierter Medikamente sei die Durchfall-Erkrankung nachweislich sehr ausgeprägt gewesen: die Schübe seien als „anfallartig“ zu werten und zwangen  täglich mehrfach zu entsprechenden Sitzungen.

Bei dieser Betrachtung könne ein Versicherer nicht darauf verweisen, dass sowohl im Flugzeug als auch am Urlaubsort sanitäre Anlagen gegeben seien: „…die Zumutbarkeit eines Reiseantritts dürfe deshalb nicht mit technischer Durchführbarkeit verwechselt werden“, so das OLG Celle.

So sei auch zu berücksichtigen, dass der Kläger sowohl bei der Anfahrt zum Flughafen, während des Eincheckens sowie bis zum Erreichen der Flughöhe nicht jederzeit eine Toilette hätte aufsuchen können.

So gilt als gegeben, dass auch im Flugzeug selbst nur eine begrenzte Anzahl von Toiletten zur Verfügung stehe, die je nach den Bedürfnissen der übrigen Fluggäste nicht ständig und deshalb nur abhängig verfügbar beziehungsweise nicht verfügbar sind.

Bei einer solchen Durchfallerkrankung müsse dem Betroffenen jedoch gewährleistet sein, dass er jederzeit zur Toilette eilen könne, was aus den benannten Gründen nicht der Fall gewesen sei.

Somit war der Antritt der Reise für den Kläger unzumutbar mit der Folge, dass sein Reiserücktritts-Kosten-Versicherer zur Übernahme der Stornokosten verpflichtet ist.

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