Unfallfolge: Fahrtkosten für Ersatzfahrzeug

Je nach Schadenhöhe und Reparaturdauer muss ein Geschädigter sich auch um ein Ersatzfahrzeug bemühen. Gehören die Fahrtkosten, die dadurch verursacht werden, auch zu den Aufwendungen, die vom Versicherer des Schädigers zu ersetzen sind? Ja, sagte das Amtsgericht Suhl mit Urteil vom Januar 2019 (1 C 194/18).

Im strittigen Fall war der Kläger mit seinem Pkw unverschuldet in einen Unfall verwickelt worden, wobei es bei ihm hieß: wirtschaftlicher Totalschaden.

War man sich über die Erstattung des Fahrzeugschadens mit der Haftpflicht des Unfallverursachers schnell einig, wurde jedoch gestritten über die Dauer der zu zahlenden Nutzungsausfall-Entschädigung sowie um Fahrtkosten, die dem Opfer entstanden, als er sich m ein Ersatzfahrzeug bemühte.

Der Versicherer meinte, dass die benannten Fahrtkosten Kosten nicht erstattungsfähig seien und dass ein Anspruch auf Nutzungsausfall-Entschädigung nur für die Dauer gelte, wie ein Sachverständiger ermittle, dass ein Ersatzfahrzeug beschafft sein könne.

Doch dem wollte sich das AG Suhler nicht anschließen und gab der Klage des Geschädigten in vollem Umfang statt.

Nach Ansicht des Gerichts hat der Geschädigte nachvollziehbar und glaubhaft dargelegt, warum die Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs erfolglos blieb und deswegen die von dem Sachverständigen genannte Zeit nicht ausgereicht habe.

Es wäre daher das Obligo des beklagten Versicherers gewesen, nachzuweisen, dass die Ersatzbeschaffung auch früher möglich gewesen wäre. Diesen Nachweis aber hatte dieser nicht erbracht. Somit sei er dazu verpflichtet, den Nutzungsausfall für die von dem Kläger nachgewiesene Zeit der Wiederbeschaffung zu zahlen.

Den Einwand des Versicherers, es habe kein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Schadenereignis und der Notwendigkeit mehrerer Fahrten zur Besichtigung eines Ersatzfahrzeugs bestanden, hielt das Gericht ebenfalls für unbegründet. Denn ein Geschädigter habe das Recht, sich über Fahrzeuge als Ersatz vor Ort zu informieren. Das Risiko, dass diese Fahrzeuge ihm nicht entsprechen, habe der Schädiger zu tragen, der schließlich die Ursache dafür auslöste, sich überhaupt nach einem anderen Fahrzeug umschauen zu müssen.

Fazit: der Versicherer muss die durch die Besichtigungsfahrten und das Abholen des „neuen“ Fahrzeugs entstandenen Kosten ersetzen.

Hierbei gab es gerichtlich keine Bedenken gegen einen pauschal berechneten Satz von 30 Cent pro Kilometer.

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